Wie jetzt?
Nur Flachzangen ausreichend da
Im Moment ist Landwirtschaftsminister Reinholz wieder mal in Hochform. Erst tappt er mit einem Elefanten schießenden Abteilungsleiter in den Fettnapf und wenig später rät er in Sondershausen Gegnern einer Schweinemastanlage, sie mögen doch in die Karibik ziehen, da stinke es nicht.
Seine Begründung für Schweinemastanlagen: Wir Bratwurst- und Fleischesser in Thüringen decken unseren Schweinefleischbedarf nur zu 74% mit Thüringer Schweinen. Wobei ich schon denke, dass es in Thüringen durchaus ein paar mehr... Aber gut, das gehört jetzt nicht hier her.
Was will uns der Minister damit sagen?
Also eigentlich müssten wir verhungern, denn uns fehlen am Gesamtverbrauch ja 26%. Tun wir aber nicht, was heißen muss, wir kriegen die 26% woanders her. Oder um es anders zu sagen: Es gibt ausreichend Schweine, so dass wir in Thüringen auch was von den anderen abbekommen.
Aber wenn es genug Schweine gibt, warum brauchen wir dann neue Schweinemastanlagen in Thüringen? Diese Frage beantwortet der Minister allerdings nicht.
Decken wir jetzt unseren Bedarf komplett aus eigenen Schweinen, bleiben ja woanders die 26% über. Wahrscheinlich muss dann woanders eine Schweinemastanlage geschlossen werden. Damit man hier eine neue mit Landesfördermitteln bauen kann. Was durchaus sinnvoll ist. Möglicherweise baut die sogar ein Holländer. Denn in den Niederlanden darf man keine neue Schweinemastanlage bauen, weil es da schon so viele gibt. Also verkauft man dort sein Kontingent an Schweinen an einen anderen und kassiert eine Menge Geld dafür. Und kassiert hier auch noch Fördermittel für einen neuen Schweinebestand. Geldvermehrung auf wundersame Weise, staatlich sanktioniert.
Möglicherweise will der Minister aber auch, dass eine Schweinemastanlage in der Karibik schließt, damit es dort weniger stinkt und man dort hinziehen kann.
Es könnte aber auch sein, Minister Reinholz will mehr Schweine, weil es nicht ausreichend Fett für die Näpfchen gibt, in die er so gerne tritt.
Lieber Minister Reinholz... ich finde es schade, dass es in der nächsten Landesregierung keinen Platz mehr für sie geben soll. Ich hätte sie gern wieder als Wirtschaftsminister, da würde es endlich wieder vorwärts gehen, sie würden sicher viele neue Firmen bauen wollen.
Denn da gibt es noch so viele Defizitbereiche in Thüringen... Wissen sie, wir können in Thüringen den Dienstwagenbedarf der Landesregierung bei Audi und BMW noch nicht aus Thüringer Produktion abdecken, wir brauchen unbedingt ein Audi- und ein BMW-Werk in Thüringen. Das schafft Arbeitsplätze. Auch die Flugzeuge, mit denen wir von Erfurt aus in die Karibik fliegen sollen, decken wir noch nicht zu 100% aus Thüringer Produktion.
Dann bräuchten wir ein paar Atomkraftwerke, denn Atomstrom decken wir noch nicht aus eigener Produktion. Panzer für unsere Kasernen, IKEA für unsere Wohnungen, Brötchen für’s Frühstück, Sekt für die Partys, Sauerstoff zum Atmen, Sterne am Himmel und Sonnenaufgänge, Herr Minister, all das schaffen wir in Thüringen noch nicht zu 100% aus eigener Produktion. Bitte werden sie aktiv, retten sie Thüringen!
Nur eine Werkzeugfabrik brauchen wir nicht, Herr Minister. Den Bedarf an Flachzangen decken wir in Thüringen ausreichend aus eigener Produktion.
09.04.2014 / Torsten Blümel